Der Naturpark Montseny ist das erste Naturschutzgebiet, das in Form eines Naturparks in diesem Land ausgewiesen worden ist. Es war im Jahr 1928, als durch ein Dekret des Königs Alfons XIII. die ersten Schutzmaßnahmen eingeführt wurden.
Die Gründe für diesen Schutz waren seine große natürliche Vielfalt und seine Nähe zum Stadtgebiet von Barcelona. Im Hinblick auf seine natürliche Qualität zeichnet sich diese durch die Tatsache aus, dass auf dem Massiv des Montseny die wichtigsten Landschaftszonen Westeuropas vertreten sind: Der Besucher erhält einen Überblick über drei wichtige Biome, die sich über einen Großteil des alten Kontinents erstrecken.
Von der untersten Massivzone bis zu einer Höhe von 900 m kommen typische Ökosysteme der Mittelmeerregion vor. Von dieser Höhe bis zu 1.600 m sind Eichen- und Buchenwälder der mitteleuropäischen Klimazone vorzufinden und auf den Gipfeln gibt es typische Pflanzen- und Tierbestände der boreal-alpinen Region.
Zur Veranschaulichung seiner Artenvielfalt bietet sich als eins der zahlreichen Beispiele die Artenanzahl der höheren Pflanzen an: Am Montseny gibt es etwa 1.500 Arten, eine weit höhere Anzahl als beispielsweise in ganz England mit ca. 1.200 Arten. Darüber hinaus ist hervorzuheben, dass es am Massiv einige endemische – exklusive – Tier- und Pflanzenarten gibt, und andere, die hier die Südgrenze ihrer Verbreitung haben.
Der natürliche Reichtum und das Relief – das höchste Massiv des Küstengebirges mit dem Turó de l'Home von 1707 m als höchste Erhebung – haben die Menschen seit jeher stark angezogen. Es gibt eine Fülle an Zeugnissen über die Geschichte der menschlichen Siedlungen, einige von ihnen schon sehr alt, wie die iberische Mauer von Brull, das römische Dorf Can Terrés, die Burg Montsoriu und die Burg Montclús, die romanischen Bauwerke in Sant Salvador de Breda und in Santa Magdalena, wie auch jüngere Zeugnisse, wie der katalanische Jugendstil in Garriga und in Viladrau, und noch vieles mehr.
Im Laufe der Jahre haben die Menschen, die das Massiv bewohnten, dazu beigetragen, die heutige Landschaft zu gestalten und Formen einer Lebensweise zu schmieden, die heute zusammen mit den neuen sozialen Nutzungen ein Agglomerat von Kulturen hervorgebracht haben, wodurch der Montseny seine Ausprägung erhalten hat: Diese Verbindung von Kultur und Natur, in der sich die soziale Geschichte und die Naturgeschichte nicht getrennt voneinander entwickelt haben, sondern in einer stetigen Interaktion, hat ein sozial-ökologisches Kulturgut von einer außergewöhnlichen Kategorie hervorgebracht, das es wert ist, von der UNESCO als Biosphärenreservat ausgezeichnet zu werden.
Dr. Martí Boada
ICTA. Universidad Autónoma de Barcelona
Global Forum 500 der UN
Januar 2004